Rechtsberatung und Prozessführung systemisch zu betrachten, bedeutet für mich, in die Überlegungen mit einzubeziehen, dass die Persönlichkeit des Klienten Teil des Konfliktsystems ist. Das macht jede rechtliche Auseinandersetzung für den Betroffenen zu einer Chance, zu erkennen, auf welche Art und Weise er oder Sie zu der Entstehung des Konflikts und seiner Aufrechterhaltung beigetragen hat. Und es ermöglicht ihm oder ihr, selbst daran etwas zu ändern.

Anders als bei herkömmlicher juristischer Beratung entsteht durch die systemische Betrachtungsweise ein Veränderungsprozess, in dem der Klient nicht nur einer oft schwer nachvollziehbaren Entscheidung eines Gerichtes ausgeliefert ist. Der Klient wird vielmehr in die Lage versetzt, aktiv den Veränderungsprozess zu gestalten und damit nicht nur auf den aktuellen Konflikt einzuwirken, sondern gleichzeitig einen eigenen Transformationsprozess zu initiieren, der zukünftig in allen Lebensbereichen einen weitsichtigeren Umgang mit kofliktträchtigen Situationen ermöglicht.

Schlüssel für die Ingangsetzung eines solchen Prozesses sind die Bereitschaft des Klienten und die Fähigkeit des Anwalts, einen Perspektivwechsel zu ermöglichen, der es erlaubt, die Dinge nicht mehr in dem gleichen Denkmuster zu sehen, in dem es zu dem Konflikt gekommen ist, sondern zunächst in geschütztem Rahmen neue Denkmodelle oder Lebenskonzepte für möglich zu halten und Schritt für Schritt in Kraft zu setzen. Damit vollzieht sich gleichzeitig eine Persönlichkeitsentwicklung weg von starren Konzepten und hin zu von Herzen kommenden persönlichen Anliegen. Und gerade hierin liegt der ungeheure Gewinn. Und das alles ohne auf die Bereitschaft der anderen Kofliktpartei zum Dialog angewisen zu sein.